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  1. #1
    aufTrab Guru Avatar von Bino
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    Frage Geschmackssinn - Wie schmecken Pferde?

    Hallihallo,

    ein Kollege aus der Arbeit hat mir heute eine echt interessante Frage gestellt:

    Wie schmecken eigentlich Pferde?


    Können sie süß, sauer, salzig voneinander unterscheiden?
    Schmecken Pferde Schokolade oder Hustenbonbons so wie wir sie schmecken?

    Wonach richtet sich der Pferde-Geschmacksinn in puncto "Schmeckt mir, schmeckt mir nicht"?

    Wäre toll, wenn mir das jemand beantworten könnte

    Lg Bino

  2. #2
    aufTrab Mitglied Avatar von Ilo70
    Registriert seit
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    114

    AW: Geschmackssinn - Wie schmecken Pferde?

    Hi Bino,

    deine Frage ist mit der Frage, die ich heute gepostet habe verwandt, wenn mich auch ein anderer Hintergrund dazu bewogen hat meine Frage zu stellen.

    Ich habe aber mal gegooglet und folgendes zur Beantwortung gefunden:

    "Es ist sehr schwer, nach wissenschaftlichen Grundsätzen herauszufinden, wie weit
    der Geschmackssinn des Pferdes ausgeprägt ist. Als erkennbare
    Geschmacksqualitäten beim Pferd geht man wie bei Menschen von den
    geschmacklichen Hauptrichtungen bitter – süss – sauer – salzig aus. Weitere
    Geschmacksrichtungen werden eher gerochen, indem durch die Kauvorgänge
    Aromen freigesetzt werden und in die Riechschleimhaut diffundieren (Regio
    olfactoria). Das Pferd hat zudem auf der Epiglottis sowie im Bereich des weichen
    Gaumens weitere Rezeptoren, die es befähigen, unerwünschte, meist bittere, Stoffe
    auf schnellstem Wege über die Zunge nach außen zu transportieren. Bittere Stoffe
    werden am besten über die Papillen am Zungengrund (caudal), süße Stoffe an der
    Zungenspitze (Apex linguae) und salzige an den Zungenrändern erkannt.
    Was schmeckt wie?
    Salzig
    Kationen (z.B. Na+, K+) werden über Kanäle geleitet. Z.B. tritt Na+
    über Na+-Kanäle in die Sensorenzellen ein und depolarisieren sieSauer
    H+-Ionen schließen K+-Kanäle, was ebenfalls depolarisierend wirktBitter
    es gibt viele genetische Bitterstoff-Sensoren, die für ganz
    unterschiedliche Bitterstoffe empfindlich sind. An das ZNS wird
    jedoch „nur“ die allgemeine Information bitter über das G-Protein
    „a-Gustducin“ weitergeleitet.
    Na = Natrium, K = Kalium, H = Wasserstoff, Depolarisation = Anstieg des Membranpotentials oberhalb
    des Ruhepotentialwertes durch Erregung der Zelle
    Es gibt keine Geschmackssinneszellen, die nur auf einen Reiz reagieren. Jede
    Sinneszelle kann im Prinzip alle vier Geschmacksqualitäten in unterschiedlicher
    Intensität wahrnehmen. "Bitter" und "süß" werden relativ spät wahrgenommen. Die
    Verarbeitung durch entsprechende Sensoren ist ungleich aufwändiger als bei den
    Geschmackseindrücken "sauer" und "salzig". Geschmack ist sowohl erlernt als auch
    angeboren. Die Vorliebe für "süß" und die Abneigung gegen "bitter" gelten dabei als
    angeboren. Phylogenetisch ist dies leicht nachzuvollziehen: Giftige Substanzen in
    der Natur schmecken meist bitter; Süßes, das giftig ist, kommt dagegen kaum vor.
    Ontogenese Schmecken
    Bei der Futterwahl spielt natürlich auch der Geruchssinn eine große Rolle.
    Unangenehm riechendes Futter wird nicht gefressen. Bitter schmeckende Pflanzen
    werden ebenfalls verschmäht (s.o.). Angeborene und damit artspezifische
    Geschmacksmuster bzw. -empfinden sind ebenfalls aus der Phylogenese abzuleiten.
    Pferde als Pflanzenfresser haben bereits eine höhere Bitter-Akzeptanz als z.B. der
    Mensch, da Futterpflanzen als von der Natur vorgesehene einzige Nahrungsquelle
    Bitterstoffe enthalten. Ebenfalls können Pferde Wasser schmecken (und riechen).
    Page 3
    Tests haben gezeigt, dass das Pferd bereits bei 0,63 g Salz/Liter Wasser das Trinken
    ablehnt. Der Mensch bemerkt den Salzgehalt erst ab 1 g/Liter.
    Wichtig zu wissen ist, dass Pferde nicht von Geburt an dazu befähigt sind,
    Giftpflanzen von verwertbaren Pflanzen zu unterscheiden. Da die meisten
    Giftpflanzen erhöhte Bitterwerte haben, glaubte man tatsächlich eine Zeitlang, dass
    Pferde Giftpflanzen erkennen können. Dies ist aber nicht unbedingt so. Ein Fohlen
    lernt sein Futterauswahlverhalten durch Nachahmung. Was die Mutter bzw. die
    Herdenmitglieder fressen, wird es auch gerne mögen. Es lernt also auch von der
    Erfahrung der Herde.
    Wenn jetzt die Mutter bzw. das Fohlen in Menschenobhut aufwachsen und nicht mit
    unterschiedlichen Pflanzen in Kontakt kommen, können sie dies auch nicht lernen.
    Ebenfalls nicht, wenn die direkte zeitliche Verknüpfung (Pflanze gefressen =
    Übelkeit) fehlt. Selbst das angeborene Erkennen der Geschmacksqualität Bitter hilft
    nicht, wenn Pferde zum Beispielt gelangweilt sind, ihrem täglichen 12-16 stündigem
    Kaubedürfnis nicht nachkommen können etc. Dann werden sie in ihrer Gier auch
    Giftpflanzen hektisch herunterschlingen, da die benötigte Warn-Information später im
    ZNS ankommt als z.B. salzig (s.o.).
    Weidepflegeprobleme

    Die jungen Triebe von Giftpflanzen haben noch keine Bitterstoffe, da diese erst nach 6-7 Wochen
    Wachstum gebildet werden.

    Herbizide, die zur Vernichtung von Giftpflanzen eingesetzt werden überdecken den bitteren
    Geschmack und Pferde nehmen die giftigen Pflanzen auf.
    Physiologie Riechen
    Wie riecht ein Pferd?
    Zunächst zu den Aufgaben des Geruchssinns. Dazu gehört die
    • Warnung vor giftigem Futter, reizendenGasen
    • Auslösung der Speichelsaftsekretion bei angenehmer Nahrung
    • Auffinden von Nahrung, Wasser
    • soziale Information (Bindung an Mutter, Herde)
    • Feinde lokalisieren
    • Regelung des ***ualverhalten sowie Geschlechtszuordnungen
    • Auslösung von Lust-/Unlustgefühlen
    Hierzu hat die Nase des Pferdes zwei herausragende Eigenschaften zu bieten, die
    sie bei ihren Aufgaben unterstützt.
    • Bewegliche Nüstern
    Das Nasenloch des Pferdes wird von den Nasenflügeln begrenzt, wobei der
    elastische Flügelknorpel das Nasenloch dorsal, medial und ventral stützt. Durch
    diese Lage und die tiefe Incisura nasoincisiva ist die Nase lateral ohne stützende
    Anteile, die dem Pferd ermöglicht, die Nüstern weit aufzublähen (Geruchsaufnahme,
    Stress-/Schmerzanzeichen als Teil eines Symptomenkomplexes). Zusätzlich kann
    die Platte des Flügelknorpels (Lamina) durch Muskeleinwirkung angehoben werden.
    Page 4
    aus Praxisorientierte Anatomie und Propädeutik des Pferdes
    Durch Aufblähen der Nüstern kann das Pferd schnüffeln und so verstärkt Duftstoffe
    zur Regio olfactoria leiten, wo sie in der Schleimschicht gelöst werden. Dort liegen
    die primären Sinneszellen. Sie sind bipolar (haben also zwei Fortsätze). Ihr Dendrit
    trägt die schleimbedeckten Zilien, die Axone ziehen in Bündeln (Fila olfactoria)
    zentralwärts. Es gibt auch freie Nervenendigungen (N. trigeminus) die auf aggressive
    Reize (z.B. Ammoniak) reagieren. Die Reize werden über die Kortex an den
    Hypothalamus und dann weiter an das limbische System weitergeleitet (s.a.
    Sinnesorgane der Equiden, 1. Teil)
    • Das Organum vomeronasale (VNO) oder Jacobson’sche Organ
    Das Organ liegt zwischen ventralem Nasengang und hartem Gaumen im rostralen
    Bereich (Basis Nasenscheidewand) und führt in dem paarig angelegtem
    Gaumenkanal (Ductus incisiva) bis zu einer Öffnung (Papilla incisiva) caudal der
    oberen Schneidezähne. Mit Hilfe eines aktiven Pumpmechanismus werden die
    aufgenommenen Moleküle in das mit Flüssigkeit gefüllte Lumen transportiert und
    unter Umgehung des Riechepithels der Nasenschleimhaut direkt zum
    akzessorischem Bulbus olfactorius weitergeleitet. Damit werden anders als
    Geruchsstoffe die Pheromonsignale nicht im Großhirn "bewusst wahrgenommen",
    sondern über das limbische System zum Hypothalamus und weiter zur Hypophyse
    geleitet."

    (Quelle
    Die Sinnesorgane der Equiden)

    Dort findet man auch noch Ausführlicheres.

    Liebe Grüße

    Ilo

  3. #3
    aufTrab Guru Avatar von Bino
    Registriert seit
    04.06.2006
    Beiträge
    3.756

    AW: Geschmackssinn - Wie schmecken Pferde?

    Alter Schwede, davon versteh ich ja nur die Hälfte

    Heißt das nun auf Deutsch, dass Pferde genauso wie Menschen schmecken?
    Und wie unterscheidet nun ein Pferd zwischen "schmeckt mir" und "schmeckt mir nicht"?

    Meine findet weiche Sachen zB total merkwürdig.
    Bananen, Tomaten... alles wo man nicht richtig reinbeißen kann.

  4. #4
    Moderator Avatar von urmeli
    Registriert seit
    28.08.2007
    Beiträge
    1.334

    AW: Geschmackssinn - Wie schmecken Pferde?

    Woao.....
    Das meiste habe ich zwar verstanden, aber ich werde das wohl nochmal lesen müssen, damit ich alles sortiert bekomme

    Ich finde es immer wieder erstaunlich wie unterschiedlich die Vorlieben der Pferde sind.
    Meiner mag z.B. überhaupt keine Zuckerrüben ( frisch), egal ob ganz oder zersschnitten. Ebenso wenig mag er rote Beete ( frisch).
    Dafür liebt er Orangen, Mandarinen, Quark mit Honig ( hat er als er jung war ab und an bekommen.
    Bei anderen Pferden ist das wieder ganz anders. Manche Besis hängen eine ganze Zuckerrübe in den Stall und die Pferde finden das klasse.

    Liegt das also dann daran, dass mein Pferd das in seiner Kindheit nie bekommen hat?

    LG urmeli

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