Ich hoffe, hier läuft einer oder mehrere Hufexperten rum, dass ich mal ein paar Denkanstöße haben kann.
Kurz die Vorgeschichte: Mein Pferd habe ich im Dezember vom Vorbesitzer übernommen, er trug hinten Keile unter den Hufeisen. Tierarzt und Schmied kannten das Pferd vorher nicht und können daher nur vermuten, was die Gründe für die Keile waren. Gelenkerkrankungen liegen definitiv keine vor. Das hat der Tierarzt bei der AKU festgestellt und auch danach ließ ich nochmal die Beine untersuchen. Bekannt ist, dass er mal einen Fesselträgeranriss hatte, der ausgeheilt ist, er aber noch eine Schiefstellung hinten rechts in der Fessel hat. Ob die nun aus der Rückenmuskulatur kommt oder vielleicht Folge einer Schonhaltung bzw. der Verletzung selbst ist, werden wir merken, wenn das Rückentraining so weit gediehen ist, dass wir hier von gleichmäßiger Bemuskelung sprechen können und er sich leichter links biegen lässt.
Der eigentliche Fall: War es aufgrund der Mangelernährung von Frühjahr 2008 bis Dezember 2008, war es aufgrund der Umstellung in neuen Stall mit neuer Herde auf ausreichendes und ausreichend mineralhaltiges Futter, Zufütterung von Selen, weil der Mangel so groß war, dass schon die Leberwerte aus den Fugen gerieten? Wir können nur raten, warum mein Pferd gleich am Anfang, wo ich ihn umstellte, recht weiches Hufhorn bekommen hat.
Gleich eine Woche nach dem ersten Schmiedtermin verlor mein Großer ein Eisen, eine Woche später das nächste, dann mal beide. Es hielt nicht, aber die Eisen fielen auch nicht einfach so runter, denn es riss ihm immer was von der weichen Hufwand mit raus. Wir beobachteten, dass er in der Herde einen lieben Kumpel gefunden hatte. Die treten von hinten nah aneinander ran und der hintere legt den Kopf auf den Rücken des vorderen und darf so schlafen. Blöd ist, dass der Kumpel zu nah tritt. Wenn meiner vorne weg geht, steht der Kumpel immer noch auf dem Eisen. So sahen wir direkt beim Verlieren eines Eisens zu. Wir dachten, wir sind besonders schlau und kaufen ihm Hufglocken in einer Größe, die bis runter reicht und das Eisenende überdeckt. Als wir abends in den Stall kommen, steht meiner in der Box, beide Hufglocken hoch gestülpt und beide Eisen weg.
Daraufhin hat der Schmied festgestellt, an diesen Hufen hält nun kein Beschlag mehr. Ich hab den Tierarzt herbestellt und die Beine gründlich untersuchen lassen. Er darf von den Beinen her ohne Keile laufen und hat sich da auch nichts geholt, obwohl er draußen auf der Koppel bei jedem Rennen dabei ist, longiert und geritten wurde. So, nun haben wir das nächste Problem: Pferd läuft inzwischen auf der Sohle, da der Tragrand immer noch nicht so weit nachgewachsen ist (sind jetzt 6 Wochen, die er barhufig unterwegs ist). Der Tierarzt sagt immer "da muss ein Hufschutz drauf", der Schmied sagt "da hält aber nix und wenn wir ihm nun irgendwas aufnageln oder -kleben, reißt er sich wieder alles weg. Zudem ist es für ihn eine Tortur, mit Eisen zu laufen, wenn er keinen Tragrand hat." Hufschuh scheidet nach Ansicht meines Schmied und eines hiesigen Hufschuhexperten aus, weil die Haupt-Abrieb-Belastung auf der Koppel ist und da ist er täglich mindestens 10 Stunden, ab 1.4. sogar länger. Also müsste er 10 Stunden oder mehr täglich Hufschuh tragen, was beide Huf-Fachleute ablehnen, weil das Fell und Haut in der Fessel so schädigt, dass wir nach wenigen Tagen die nächste Behandlung bräuchten. Die beiden meinen, das beste wäre, er würde sich barhufig durchschlagen, bis wieder ein normales Hufeisen verwendet werden könne. Dieses Eisen sei auch weniger leicht auszuhebeln, weil der hohe Aufbau mit Keilen und Schneegrips eben auch eine gewisse Hebelwirkung auf die Verankerung im Hufhorn mit sich bringt. Bis er im nächsten Winter wieder Grips braucht, ist hoffentlich genug gesundes Horn rausgewachsen.
Ich gebe Kerabol auf Verordnung vom Tierarzt hin und pinsle mit Keralit, was schon eine Härtung bringt, aber der Tragrand wächst damit halt auch nicht hin. Das blöde ist halt, dass ein Huf, um gesund zu wachsen viel Zeit braucht, ein Schaden aber in kurzer Zeit zugefügt werden kann. Ich hab kein Problem damit, ihn erstmal nur auf dem weichen Hallenboden zu reiten und den relativ abriebstarken Sandplatz erstmal zu meiden, aber für Kandidaten wie ihn wäre laut Auskunft meiner Spezialisten schon die Graskoppel sehr hart und die kann ich ihm nicht nehmen, sonst steht der arme den ganzen Tag in der Box. Reicht schon, dass er zur Zeit mit seinem Verband wegen einer Zehenprellung im Paddock sein muss, während die anderen toben. Die Zehenprellung spielt übrigens grade für uns. In der Zeit, wo er jetzt Verband trägt haben wir keinen Abrieb, sondern nur Wachstum. Aber der Verband soll ja heute, nach einer Woche wieder runter, weil am Montag schon fast alles ausgeheilt war.
Leider kann ich keine Fotos liefern, weil ich im Stall mit Kamera zwar vorbildlich ausgerüstet bin gegenüber anderen, meine Ladefunktion aber defekt ist und ich daher ohne da stehe. Aber vielleicht könnt Ihr mich ja inzwischen mit neuen Ideen zur Grundproblematik versorgen.
Vielen Dank schonmal für Eure Gedanken, egal, wieviel sie mir neues bringen, jedes Wort könnte ein Tipp für mich sein!

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