Ich möchte Euch bitten, alle Meinungen tolerant zu Wort kommen zu lassen, denn ich möchte hier meine Mittagspause damit verbringen, ein mehr oder weniger heikles Thema anzusprechen:
Der Sattel ist bei den meisten von uns die teuerste Ausstattung eines Reitpferdes. Nur wie teuer muss der wirklich sein Eurer Meinung nach? Muss er angepasst werden und - falls ja, von wem? Welche Erfahrungen habt Ihr mit Sparmaßnahmen Eurerseits oder seitens Stallkollegen, die Ihr beobachtet?
Ich leg mal vor:
Zeit meines Lebens reite ich Schulpferde, also vom Alter von 10 Jahren, bis ich vor 4 Monaten mit 33 Jahren meinen Wallach kaufte. Die Sättel wurden von ein paar pferdeerfahrenen Menschen aus dem Verein begutachtet und wenn das Pferd keine Druckstellen bekam, war alles ok. Nun, wo ich meinen Wallach habe, beobachte ich genauer, sehe tägliche Veränderungen. Ich habe eine Reitbeteiligung. Gymnastiziere ich vor ihren zwei Tagen den Rücken gut, wird er bei meinem Wallach richtig weich. Danach ist er wieder hart. Die Reitbeteiligung kann nicht viel, aber bei dem was sie kann, ist sie sehr fein im Sitz und in der Hilfengebung. Vermutlich ist da mein Sitz im Moment eher das Problem als ihrer, aber ich reite derzeit nicht (wegen Sattel s.u., und einer Verletzung). Ich habe auch mit der Reitlehrerin gesprochen und sie meint auch, er würde ein bisschen versuchen, sich dem Sattelmonster zu entziehen.
Seitdem führe ich Gespräche: Welche Preisklasse von Sattel brauche ich ... anpassen ... durch wen ... ? Immer klarer wird, dass hier sehr oft "der Hund begraben" liegt: Pferde von Personen, die mir sagen, es reicht, wenn einem ein Verkäufer einen Sattel um die 500 Euro bringt, laufen wesentlich spanniger im Durchschnitt als welche, die sagen, der Sattlermeister muss anpassen und ein guter Sattel kostet schon so 2500 Euro aufwärts - oft merken das die Leute mit den billigen Sätteln selbst ja gar nicht, weil das reiterliche Können fehlt, manche Ausnahmen bestätigen auch die Regel.
Daher meine Entscheidungen:
- Es muss der Sattlermeister zum Pferd kommen, nicht ein Fachhandelsverkäufer.
- Es muss ein Sattlermeister sein, der sich auf einen Satteltyp spezialisiert hat und selbst reitet, denn jede Reitweise hat ihre Besonderheiten, die berücksichtigt werden müssen.
- Es muss ein Sattlermeister mit besonderen anatomischen Kenntnissen sein, z.B. Zusatzausbildung, Auszeichnung in der Richtung nachweisen.
- Ein Sattler, der einem einen Sattel verkaufen will, den man von vornherein nur mit Pad drunter benutzen kann, kann gleich wieder gehen.
- Der Sattel kostet dann halt entsprechend, aber im Vergleich zu Gesundheitskosten für Rückenschäden bis hin zur Frührente eines Pferdes sind das ja wieder Peanuts.
- Es wird nicht auf Biegen und Brechen ein gebrauchter Sattel angepasst, nur weil er billiger ist und bisher einer guten Freundin gehört.
- Bei der Auswahl hat der Hintern meiner Reitbeteiligung wenig Mitspracherecht, denn sie kann notfalls gehen oder sich selbst einen anpassen lassen, Sattel, Pferd und ich bleiben hingegen zusammen. Wenn ihm zwei Modelle passen und ich mich partout nicht entscheiden kann, kann sie ja mal mit ihrem Hintern testen.
- Ich reite selbst nicht mehr, bis ich einen so passenden Sattel habe. Bis dahin muss Pferdi bei mir was anderes arbeiten, um seinen Rücken zu schonen.
So, jetzt bin ich gespannt, was von Euch kommt. Bitte lasst die Menschen mit den Billigsätteln genauso am Leben wie die Wahnsinnigen, die den Wert einer Eigentumswohnung ans Pferd bauen![]()

Zitieren
„Richtig Reiten reicht“(Paul Stecken)









Grüße von 

